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AUF EIN WORT Leichtes Gepäck Ich packe gern. Ich packe auch gern zu viel. Da liegt der Koffer offen auf dem Bett, und ich lege hinein, was man „vielleicht brauchen könnte“: die zweite Regenjacke (man weiß ja nie), das dicke Buch für lange Abende, das dünne für den Strand, Sandalen, Wanderschuhe, Halbschuhe – für den Fall, dass es doch ein schickes Restaurant gibt. Und die Hausapotheke, vollständig versteht sich: Ibuprofen, Pflaster, Sonnencreme in drei Schutzfaktoren, dazu das Antibiotikum aus dem letzten Jahr, das ja noch nicht abgelaufen ist. Dann sitze ich auf dem Koffer, bis er schließt. Und frage mich auf dem Weg zum Bahnhof, warum mir der Rücken schon wehtut, bevor der Urlaub begonnen hat. „Nehmt nichts mit auf den Weg“, sagt Jesus zu seinen Jüngern, als er sie aussendet. Keinen Ranzen, kein Brot, kein Geld, kein zweites Hemd. (Markus 6,8) Das klingt wie eine Zumutung. Oder wie ein Versprechen. Wahrscheinlich beides. Denn was Jesus meint, ist nicht Askese um der Entbehrung willen. Er meint: Vertraut darauf, dass das Nötige kommt. Dass Menschen euch aufnehmen, dass das Leben euch versorgt – wenn ihr aufhört, euch mit Vorräten zu panzern. Leichtes Gepäck ist keine Armut, sondern eine Haltung. Eine Art, die Welt zu betreten: offen, empfangsbereit, unbeladen. Und vielleicht ist das gar nicht so weit entfernt von dem, was wir uns im Urlaub eigentlich wünschen. Nicht die zweite Regenjacke. Sondern das Gefühl, für einen Moment nicht alles unter Kontrolle haben zu müssen. Dass das Ungeplante passieren darf. Dass wir ankommen können – bei uns, bei anderen, beim Staunen. Leichtes Gepäck hat viele Gesichter. Es ist der Koffer, der tatsächlich ins Handgepäckfach passt. Aber auch der Terminkalender, aus dem man für ein paar Wochen ausgestiegen ist. Das Grübeln, das man am Abend vor der Abfahrt irgendwo abgestellt hat. Die Erwartungen, die man zu Hause lässt. Die alte Kränkung, die man – zumindest für diesen Sommer – vielleicht nicht mitschleppen muss. Das ist schwerer als das Ausmisten des Koffers. Und gleichzeitig das Einzige, was wirklich Platz schafft. Ein alter Mönch soll gesagt haben: „Ich habe heute sehr viel zu tun – also werde ich zwei Stunden länger beten.“ Auch das klingt wie eine Zumutung und wie ein Versprechen. Die Idee dahinter: Wer sich innerlich leert, findet Kraft. Wer loslässt, gewinnt Bodenhaftung. Wer weniger braucht, wird freier – nicht ärmer. Der Sommer lädt dazu ein. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Sonnenlicht und Langsamkeit. Mit dem Meer, das keine Agenda hat. Mit dem Abend, der einfach lang ist. Nehmen Sie ruhig die Sandalen mit. Und die Sonnencreme. Aber lassen Sie auch etwas da. Hilko Danckwerts 3

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