ZU GUTER LETZT Macht Religion gelassener? SÜDWIND · Impressum Herausgeber: Der Kirchenvorstand der Ev.luth. Südstadtkirchengemeinde Osnabrück Miquelstr. 5 · 49082 Osnabrück Redaktion: Günter Abrams, Sonja Helbing, Dietmar Otte, Joachim Prinz, Pastor Hilko Danckwerts (V.i.S.d.P. & Layout) Grafisches Konzept: Max Ciolek, gutundgruen.de GesamtLayout: Marina Germain · www.ellaworks.de Bildnachweise: Christa Henke, privat, unsplash, pixabay, pexels, canva.com, freepik, pxhere, Adobe Firefly KI, Wikipedia Auflage: 5.750 Stück Digitalausgabe auf www.suedstadtkirchengemeinde.de Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 31.07.2026 suedwind@suedstadtkirchengemeinde.de Werbung und Beiträge bitte an das Gemeindebüro, Tel. 05 41 5 69 01 66 . . . und wäre das angesichts der Weltlage überhaupt angebracht? Wie kann man bei der Weltlage gelassen sein? Das ist eine berechtigte Frage und trotzdem sehnen sich viele Menschen nach innerer Ausgeglichenheit. Könnte der Ausweg vielleicht ein christlicher Blick auf die Welt sein? Denn klar ist: Die Krisen dieser Welt fordern dazu auf, zu handeln und nicht die Hände in den Schoß zu legen. Nur wie? Und woher soll man die Kraft dazu nehmen? Hektik und Panik helfen hier nicht. Schlimme Situationen werden durch sie nur noch unerträglicher oder gar gefährlich. Gerade herausfordernde Situationen verlangen nach Überblick und überlegtem Handeln. Das gelingt viel eher, wenn sich die handelnden Menschen ruhig und selbstbewusst an ein Problem machen. Das ist ein gutes Argument für Gelassenheit. Die Religion kommt ins Spiel, wenn man fragt, woher die innere Ruhe und das Selbst-bewusstsein kommen sollen. Wir Menschen handeln auf der Grundlage von Voraussetzungen, die wir uns nicht selbst gegeben haben. Religiös gesprochen: Unser Leben, unsere Fähigkeiten sind ein Geschenk Gottes. Ein religiöser Mensch, der das im Bewusstsein hat, kann gelassener auf die Aufgaben und Herausforderungen blicken, die vor ihm liegen. Auch deswegen, weil Gott als dem Schöpfer nicht nur die erste, sondern auch die letzte Verantwortung obliegt. Aber ist christliche Gelassenheit dann nicht eine obskure Hoffnung auf einen höheren Sinn, die vertröstet und damit gleichgültig gegen das Leid macht und nicht aktiviert? Die christliche Theologin Dorothee Sölle hat das anders gesehen. Für sie hat religiös begründete Gelassenheit noch einen zweiten Effekt: Sie beschreibt eine tiefe, die ganze Person einnehmende Gelassenheit als Moment der Gottesschau. Diese Erfahrung des Einsseins mit allen Dingen aber lässt den Menschen, der sie erlebt, gerade nicht tatenlos und relaxt sein. Im Gegenteil: Wenn ich mich mit allen Dingen verbunden fühle, dann lasse ich es auch nicht zu, dass es einem Teil schlecht ergeht, dann lässt mich das Schicksal der anderen nicht kalt. Dann setze ich mich für eine bessere Welt ein und dafür, dass Gottes Schöpfung bewahrt wird. Gelassenheit in diesem christlichen Sinne ist also gerade nicht Gleichgültigkeit. Eine christliche Gelassenheit führt zum Mitgefühl für andere – und damit zum Handeln. Konstantin Sacher 26 SÜDWIND 109 | 2026 Juni–August
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